Inhaltsverzeichnis
- Jürgen Graf und Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung Wiesbaden
- Diana Stolz und medizinische Vorsorge in Deutschland
- David Leistner und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Eigenverantwortung, Frauenherz-Zentrum und neue Ansätze
Jürgen Graf und Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung Wiesbaden
Professor Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor der Frankfurter Universitätsmedizin, stellte Ergebnisse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden vor. Die Zahlen sind eindeutig. Im Jahr 2000 lag der Rückstand der Lebenserwartung im Vergleich zum westeuropäischen Mittelfeld bei 0,73 Jahren für Männer und 0,74 Jahren für Frauen. Bis 2019 wuchs dieser Abstand. Er betrug 1,43 Jahre bei Männern und 1,34 Jahre bei Frauen.
Diese Entwicklung überrascht Fachleute. Deutschland investiert viel Geld in das Gesundheitssystem. Innerhalb der OECD geben nur die USA mehr aus. Zudem suchen Menschen hierzulande Ärzte häufiger auf. Pro Kopf erfolgen mehr als 1,5-mal so viele Arztbesuche wie in Nachbarländern. Trotzdem bleibt die Lebenserwartung niedriger. Ergänzende Angebote zur Entlastung und Regeneration finden sich auch außerhalb der Kliniken, mehr hier.
Diana Stolz und medizinische Vorsorge in Deutschland
Mediziner sehen Defizite bei Impfungen und Früherkennungsuntersuchungen. Diese Angebote werden zu selten genutzt. Dabei könnten Karzinome verhindert oder früher geheilt werden. „In Deutschland wird mehr über Krankheit gesprochen als über Prävention“, sagt die hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU). Sie fordert einen grundlegenden Wandel.
Stolz betont die gesellschaftliche Dimension. „Wir brauchen einen Bewusstseinswandel“, erklärt sie. Prävention könne den Menschen mehr Lebenszeit schenken. Familien blieben länger zusammen. Gleichzeitig würde die Volkswirtschaft entlastet. Aus ihrer Sicht reicht medizinische Infrastruktur allein nicht aus, wie auch andere kommunale Maßnahmen in Frankfurt zeigen, siehe hier.
David Leistner und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Der demografische Wandel verschärft die Lage. Der Anteil älterer Menschen wächst stetig. Professor David Leistner, Direktor der Klinik für Kardiologie, sieht darin eine zentrale Herausforderung. Nur wenn ältere Menschen lange gesund bleiben, „können wir das Gleichgewicht stemmen“.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Es existieren sogenannte modifizierbare Faktoren. Diese lassen sich durch Lebensstil beeinflussen. Das Erkrankungsrisiko kann so um mehr als 50 Prozent gesenkt werden. Die Effekte sind messbar. Bei Männern steigt die Lebenserwartung um bis zu 10 Jahre. Bei Frauen sogar um 13 Jahre.
Eigenverantwortung, Frauenherz-Zentrum und neue Ansätze
Stolz fordert mehr Eigenverantwortung. „Wir müssen zu mehr Eigenverantwortung kommen“, sagt sie. Die Politik müsse Rahmenbedingungen schaffen. Nutzen müssten diese jedoch die Bürgerinnen und Bürger selbst. Jeder solle seine Risikofaktoren kennen und entsprechend handeln. „Die Prävention muss bei uns ein anderes Gewicht bekommen. Wir müssen und können viel früher ansetzen, bevor aus Risikofaktoren Notfälle werden.“
Leistner nennt zusätzliche Anreize. Betriebe könnten Prämien für Beschäftigte ausloben, die Vorsorgemaßnahmen wahrnehmen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf geschlechtsspezifischer Medizin. Stolz betont, dass Frauen nicht „als Durchschnittsmänner mit Gebärmutter“ betrachtet werden dürfen. Sie entwickeln andere Symptome und reagieren anders auf Therapien. In Frankfurt existiert deshalb das weltweit erste Frauenherz-Zentrum. Männer sollen dennoch weiterhin gezielt angesprochen werden.
Im Verlauf des Präventionsjahres werden Informationsangebote ausgebaut. Debatten über strukturelle Verbesserungen sind vorgesehen. Die Initiatoren setzen auf breite Beteiligung. „Wir freuen uns über alle“, so Graf, „die mithelfen, das Thema voranzubringen.“
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FAQ
Warum ist die Lebenserwartung in Deutschland niedriger als in anderen westeuropäischen Ländern?
Studien des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigen, dass die Lebenserwartung in Deutschland unter dem westeuropäischen Durchschnitt liegt, obwohl hohe Ausgaben im Gesundheitswesen und eine hohe Arztbesuchsfrequenz bestehen.
Was ist das Präventionsjahr 2026 der Universitätsmedizin Frankfurt?
Das Präventionsjahr 2026 ist eine Initiative der Universitätsmedizin Frankfurt, die Prävention stärker in den Fokus rücken soll. Geplant sind zahlreiche Aktionen gemeinsam mit Partnern aus Gesundheit, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft.
Welche Rolle spielt Prävention bei der Bekämpfung von Krankheiten?
Präventionsmaßnahmen wie Impfungen und Früherkennungsuntersuchungen werden in Deutschland zu selten genutzt, obwohl sie Krankheiten wie Karzinome verhindern oder deren Heilungschancen deutlich verbessern können.
Welche Bedeutung haben Herz-Kreislauf-Erkrankungen im demografischen Wandel?
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind ein zentraler Faktor für die Gesundheit älterer Menschen. Durch veränderbare Lebensstilfaktoren kann das Erkrankungsrisiko um mehr als 50 Prozent gesenkt werden.
Warum ist geschlechtsspezifische Medizin ein Schwerpunkt in Frankfurt?
Frauen zeigen andere Symptome und reagieren anders auf Behandlungen als Männer. In Frankfurt wurde deshalb das weltweit erste Frauenherz-Zentrum eingerichtet, um diese Unterschiede gezielt zu berücksichtigen.
Welche Rolle spielt Eigenverantwortung bei der Gesundheitsvorsorge?
Politik und Institutionen schaffen Rahmenbedingungen, doch Bürgerinnen und Bürger müssen Präventionsangebote selbst nutzen, ihre Risikofaktoren kennen und frühzeitig handeln, bevor gesundheitliche Notfälle entstehen.
Quelle: Frankfurter Neue Presse, Patizonet